Es war Ende 1979, und das erste Mal, dass mich ein Album von Michael Jackson wirklich den ganzen Tag verfolgte. Im August war „Off the Wall“ erschienen und ich erinnere mich, wie ich mit meinen Kumpels mit unseren Mopeds in die Kölner City brausten und jeder von uns unter seinem Helm einen völlig unbequemen Walkman Kopfhörer trug. Immer wenn wir zum Stehen kamen, konnten Passanten und Autofahrer eine Gruppe Kleinrocker beim Kopfnicken zu „Rock with You“ oder „Burn this Disco out“ beobachten.

michael jackson concertSchier zur Verzweiflung brachten wir dann das Publikum unseres Stamm Bowling Centers, indem wir in der Musikbox den Titel „Don´t stop till you get enough“ zehnmal hintereinander drückten, und den Schrei vom King of Pop alle zur korrekten Textpassage laut mitmachten.
Den jüngeren Lesern möchte ich kurz das Wort Musikbox erklären. Das war in den achtziger Jahren ein großer, bunter und blinkender Kasten in der Größe einer Flurkommode, in dem bis zu fünfzig Single Schallplatten ( runde schwarze Vinylscheiben mit Rillen drin ) verstaut waren, die man gegen zwanzig Pfennig auswählen und abspielen lassen konnte. Kaum zu glauben, dass das gerade mal gute zwanzig Jahre her ist.
Jedenfalls war „Off the wall“ das erste Album von Michael Jackson, dass mich sehr beeinflußt hat. Bei meinem ersten, wirklich harten Liebeskummer hat mich „She is out of my live“ zu Sturzbächen an Tränen gerührt und der Titel ist heute noch eine echte Herausforderung für mich.
Dann kam 1982  „Thriller“, das weltweit meistverkaufte Album aller Zeiten, und natürlich habe ich im Kino gesessen und das Video angesehen und gedacht, der Mann ist von einem anderen Stern. Danach muteten die Beiträge anderer Popstars an, wie nett gemachte Urlaubsvideos. Es war eine wahnsinnig spannende Zeit und jeder von uns war stolz, ein Michael Jackson Fan zu sein.
Nach der Lehre kam die Bundeswehr, der Beruf und der Alltag, aber immer mal wieder unterbrochen von einem neuen Album von Michael Jackson. „BAD“ - „Dangerous“ und „History“ habe ich nochmal als richtige Highlights in meinem Alltag empfunden, während meine Begeisterungsfähigkeit bei  „Blood on the dance floor“ und „Invincible“ leicht nachließ – vielleicht aber auch nur, weil mein Leben dann doch auch andere „Stars“ beinhaltete.
Mit meiner Biografie möchte ich hier jetzt niemanden langweilen, aber ganz intensiv habe ich Michaels Musik wieder entdeckt, als ich im März des Jahres 2009 das zweite Mal auf dem Jakobsweg in Spanien unterwegs war. Ich hatte mir zum Wandern auf meinen MP3 Player unter anderem einen Sampler „The best of Michael Jackson“ zusammen gestellt. Und es sollte sich zeigen, dass ich nichts anderes hörte, als seine Musik – und sie berührte mich so sehr, wie sie es zuvor nie getan hatte. Ob das an meiner damaligen Lebenssituation lag, oder an den Eigenheiten, die man dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela zuschreibt, weiß ich bis heute nicht, aber ich habe mich einem Michael Jackson und seiner Musik sehr sehr  nahe gefühlt, und dabei teilweise geheult, wie ein Schlosshund. Es war eine merkwürdige Symbiose, die sich in meinem Kopf ergab und zu diesen Gefühlen führte. Und dazu muss ich ein klein wenig ausholen.
Ich hatte ein Jahr zuvor mit einer bunt gemischten Gruppe von zwanzig Leuten, die ich zuvor nicht kannte, einen Sommerurlaub auf der griechischen Insel Zakynthos verbracht, was für mich Abenteuer und Herausforderung zugleich war. Es sollte sich aber als ein absoluter Glücksgriff herausstellen, denn ich durfte ganz besondere Menschen kennen lernen und tiefe Freundschaften schließen. So war es mir auch eine Ehre, von diesem besonderen Urlaub eine ebenso besonderes Urlaubsvideo zu gestalten. Alle Teilnehmer schickten mir also ihre Fotos und ich bastelte daraus eine bleibende Erinnerung an einen außergewöhnlichen Urlaub. Dabei war es mir wichtig, die intensiven Emotionen, die wir alle auf der Insel erlebt hatten, mit Musik untermalt, wiederzugeben. Den Reaktionen nach zu urteilen, die ich bei der Premiere des Filmes erntete, war mir das auch gelungen – es war sehr bewegend.
So... nun stand für den Sommer 2009 wieder die gleiche Reise nach Griechenland an, mit den gleichen Personen, und als ich auf dem Jakobsweg Michaels Musik hörte, die mich so berührte, wusste ich, dass ich für den nächsten Urlaubsfilm seine Songs verwenden würde.
Im Mai 2009 verbrachten wir unseren Urlaub, der anders, als der erste, aber mindestens ebenso intensiv für alle Teilnehmer war und vor meinem geistigen Auge verband ich schon die Bilder und Szenen mit Michaels Musik. Als ich im Juni 2009 mitten an den Arbeiten zum neuen Urlaubsfilm saß, erreichte mich die Nachricht von Michaels Tod. Es ist schwer zu erklären, welche Gefühle das in mir auslöste, aber es kam mir total unwirklich vor.  Es dauerte einige Wochen, bis ich den Film fertig hatte und bei der Premiere wurden einige Tränen vergossen.
Was mich dabei so überwältigt hatte, war die Tatsache, dass in der besonderen Verbundenheit und tiefen Zuneigung zu meinen Freunden und in der Musik von Michael Jackson etwas verbindendes existierte. Diese Erfahrung war vollkommen neu für mich und ließ mich nicht mehr los. Daraus entstand dann mein Interesse am Menschen Michael Jackson und ich laß Biographien und Berichte, schaute Videos und Dokumentationen und hörte seine Musik – und das völlig anders, als ich es bisher gemacht hatte.
Auch wenn es merkwürdig klingen mag, habe ich mich dem Menschen Michael Jackson dabei immer näher gefühlt und aus einem wachsenden Verständnis heraus, entstand dieses Buch, dessen Geschichte während seiner Entstehung eine Art Eigenleben entwickelte, und die den Tod des King of Pop auf eine neue überraschende Weise aufzeigt – aber lesen sie selbst...